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Geschichte
159_Can Tho Fähre

Geschichte Vietnams

Das Kaiserreich Dai Viet (939-1672)

Die Zeit von 1672-1802

Das Kaiserreich Vietnam

Französische Kolonialzeit

Beginnender Widerstand

Ho Chi Minh

Beginn der Stellvertreterkriege

Die Zeit von 1954-1964

Der Amerikanische Krieg

Die Tet-Offensive 1968

Wiedervereinigung

Der Kambodschanische Krieg

>> Zur Geschichte Kambodschas

Geschichte Vietnams

Die Geschichte Vietnams ist von zwei deutlich unterschiedlichen Einflusssphären geprägt: der chinesischen und der indischen.
Im Laufe seiner Jahrtausende langen Geschichte hatte Vietnam viele Namen. Der Name “Vietnam” selbst findet erst seit weniger, als 200 Jahren Verwendung.

1000 Jahre China
Fast 1000 Jahre setzen die Chinesen alles daran, den als Barbaren verachteten aber auch als besonders rebellisch gefürchteten Viets ihre Kultur und Zivilisation aufzuzwingen. Während nach und nach ein sino-vietnamesische Oberschicht entsteht, widersetzt sich die Masse der Bevölkerung hartnäckig jeglicher Zivilisierung. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts kommt durch die sich ausdehnenden Handelsbeziehungen der Buddhismus ins Land. Etwa zur gleichen Zeit etabliert sich südlich des Wolkenpasses ein hinduistischer Staat das spätere Champa. 939 gelingt es Ngo Quyen endlich, die Chinesen zu vertreiben.

Das Kaiserreich Dai Viet (939-1672)
Mit dem heutigen Vietnam hat das Reich der ersten Herrscherdynastie noch wenig gemein. Der Machtbereich der Viets geht kam über das Delta des Roten Flusses hinaus. Während der Buddhismus in China unerbittlich verfolgt und nahezu ausgelöscht wird, erlebt er seine Blütezeit in Vietnam. Unaufhörliche Kriege mit den Cham verschieben die Grenze im Süden zeitweise bis auf die Höhe des heutigen Da Nang. Andererseits dringen die Cham wiederholt bis ins Delta vor und plündern Hanoi.
1408 marschieren Truppen der Ming-Dynastie ein und machen Dai Viet wieder zu einer chinesischen Provinz. Nach jahrelangen Guerillaaktionen gelingt es Le Loi und seinem genialen Chefstrategen Nguyen Trai eine schlagkräftige Bauernarmee aufzustellen und die Chinesen 1428 wieder zu vertreiben.
Aller interner Probleme, die der vietnamesischen Monarchie systembedingt innewohnen, zum Trotz erweisen sich die Dynamik und relative Fortschrittlichkeit des vietnamesischen Systems den Nachbarn im Süden als klar überlegen. Mit der Eroberung der letzten Hauptstadt der Cham 1471 wird aus dem kleinen, traditionell nach Norden ausgerichteten Feudalstaats im Schatten Chinas eine mächtige Nation Südostasiens.
1535 tauchen die Portugiesen auf den Spuren Marco Polos vor der Küste Vietnams auf und mischen auf Seiten der Nguyen gewinnbringend im Bürgerkrieg mit. So überlegen das “aufgeklärte” sino-vietnamesische System sich gegenüber der auf Angst uns Sklaverei gegründeten Systemen seiner Nachbarn erweist, so unterlegen zeigt es sich gegen den christlich-humanistischen Imperialismus der europäischen Eroberer.
1627 entwickelt der französische Jesuit Alexandre de Rhodes die heutige romanische Schrift mit Betonungsakzenten.

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1672-1802
Die Fürstentümer der Trinh im Norden mit dem Hof in Hanoi und der Nguyen im Süden mit der Hauptstadt Hue entwickeln sich im Laufe der Zeit immer weiter auseinander. Im Norden führen Korruption und Machtmissbrauch zu ständigen Bauernrevolten und Mandarinatsintrigen.
Die Nguyen im Süden eignen sich Ende des 17. Jahrhunderts vollends das Terrain der Cham an und stoßen weiter in das Gebiet der Khmer in das fruchtbare, wenn auch sumpfige Gebiet des Mekong-Deltas vor. Die historische Chance der Erschließung großer Landmassen und Assimilation von Cham- und Khmerkultur lassen sie ungenutzt sondern der Hof in Hue wetteifert so lange im Prunk und Pomp mit Hanoi, bis ihn dessen Probleme ebenfalls einholen. Müde der immer weiter steigenden Steuern und ständigen Wehrdienste erheben sich die Bauern im Süden. In der Tay-Son-Revolte nehmen die Aufständischen nach 4 Jahren Bürgerkrieg 1775 Hue und 11 Jahre Später Hanoi.
Im Jahr der französischen Revolution 1789 erobert der junge Prinz Nguyen Anh den Süden zurück während im Norden der Bürger Nguyen Hue als Kaiser Quang Trung ein letztes Mal eine Invasion der Chinesen verhindert.

Das Kaiserreich Vietnam
1802 erhält das nach langen Wirren wiedervereinte Land seinen heutigen Namen mit Hue als Hauptstadt in der Mitte des Reiches.
Gia Long (1802-1820) ist der erste Herrscher, der Vietnam von der Chinesischen Grenze bis zum Golf von Siam regiert. Straßen und Kurierstationen durchziehen sein Reich und jeder größere Ort erhält eine Zitadelle. Der Rückzug des überzeugten Traditionalisten Minh Mangs (1820-1842) in konfuzianische Orthodoxie führt angesichts des neu erwachten Kolonialstrebens der Europäer fast unweigerlich zur Katastrophe. Die außergewöhnlich lange Regierungszeit Tu Ducs (1847-1883) füllt die Zeitspanne, die die Franzosen benötigen, das desolate und zerrissene Reich zu erobern.
“Die Eroberung von fast 15 Millionen neuen Konsumenten und Märkten, auf denen unsere Industrieerzeugnisse gegen wertvolle Rohstoffe eingetauscht werden können, verdient gewiss all unsere Anstrengungen” (Französische Handelskammer, 1879)
Aus tiefer Sorge, die Briten könnten nach Indien und Singapur auch China an sich reißen, entsenden die Franzosen Kanonenboote und besetzen 1859 Saigon. Als Kaiser Tu Duc den Franzosen Saigon abtritt, in der Hoffnung, durch den Verzicht des Südens, den Norden zu halten, kennen die französischen Admiräle kein Halten und besetzen 1883 das gesamte Land.

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Französische Kolonialzeit
Lange Jahre wird die französische Kolonie Cochinchina lediglich von der Kriegsmarine regiert. Die verschiedenen “Protektorate” (Kambodscha, Tonkin, Annam und Laos) verwalten sich jedes nach einem anderen System. Nachdem es 1888 gelingt, den letzten Widerstand zu brechen, entsendet Paris seinen Generalgouverneur Paul Doumer als “starken Mann” nach Übersee. In weniger, als fünf Jahren baut der spätere Präsident Frankreichs einen funktionstüchtigen Kolonialapparat auf. Um das rückständige Land als Renditeobjekt für das heimische Kapital interessant zu machen, überziehen die Franzosen Vietnam mit einem Eisenbahnnetz und bauen Häfen. Hunderttausende sterben alleine beim Eisenbahnbau. 1899 verrichten in Vietnam 1358 Weiße die Arbeit, die im vorkolonialen Vietnam 50 Mandarinen oblag. Selbst Briefmarken durften nur von Franzosen verkauft werden.
Haupteinnahmequellen sind die staatlichen Monopole auf Alkohol, Opium, Glücksspiel und Salz. Die “harmlose” Salzsteuer führt dazu, dass Millionen Vietnamesen, die sich von nährstoffarmen Reis ernähren und sich Salz nicht mehr leisten können, an schweren Mangelerkrankungen leiden.
Die drei Säulen der Kolonialökonomie bilden Reis, Kautschuk und Kohle, deren Exportanteil bei 75% liegt. An der Entwicklung oder Industrialisierung des Landes sind die Kolonialherren nicht interessiert. Die wenigen Fabriken decken fast ausnahmslos typischen Kolonialbedarf ab, wie Zigaretten, Bier, Limonade, Zucker und Papier. Importe bestehen zu über der Hälfte aus Luxusgütern, wie Autos, Wein, Cognac und Parfüm.

Beginnender Widerstand
Das Kolonialsystem schafft völlig neue gesellschaftliche Verhältnisse. Rang und Status eines Vietnamesen sind allein abhängig von der Gunst der Kolonialherren. Speziell in Saigon entsteht ein Großbürgertum aus Kollaborateuren der Oberschicht, neureichen Unternehmern und chinesischen Kaufleuten. Während in anderen Ländern, wie Indien, nationalistische Gruppierungen erfolgreich sind, bleiben progressive Republikaner mit ihren Ansichten von der Bevölkerung isoliert und beschränken sich zum Schluss auf ohnmächtige Terrorakte gegen das Kolonialsystem.
Die einzige Alternative verspricht die 1930 von Ho Chi Minh in Hong Kong gegründete Kommunistische Partei. Diese wissen, dass das Kolonialsystem weder durch Attentate noch durch Verhandlungen zu stürzen ist, sondern allein durch die Mobilisierung der gesamten Bevölkerung. Wie alle anderen Widerstandsgruppen, wird die KP von der französischen Geheimpolizei unnachgiebig verfolgt und deren Mitglieder meist kurzerhand verhaftet oder exekutiert.
Mit Kriegsbeginn 1939 sieht sich die französische Kolonie vom Mutterland isoliert und ergibt sich kampflos den Japanern. Sämtliche Vorräte werden beschlagnahmt und das Volk nun von zwei Herren zugleich ausgebeutet.

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Ho Chi Minh
Im Februar 1941 kehrt Ho Chi Minh nach 30 Jahren Exil nach Vietnam zurück und bereitet im Bergland von Cao Bang zusammen mit Pham Van Dong und Vo Nguyen Giap den Aufstand vor. Dem Viet Minh (Liga für die Unabhängigkeit Vietnams) gehören ca. 40 verschiedene Gruppen an. Die kommunistischen Kader betragen nicht mehr als ein paar hundert Mann, üben aber Vorbildfunktion aus. Propagandaeinheiten gehen zu den Bauern, lehren sie lesen, bewaffnen sie und erhalten so immer mehr Anhänger. Mitte August 1945, nach den Atombombenabwürfen der Amerikaner, kapituliert Japan. Der Viet Minh ruft zum Aufstand auf und über den Dächern von Hanoi, Hue und Saigon wehen die roten Fahnen. Am 2. September proklamiert Ho Chi Minh in Hanoi die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) und wird zum Ministerpräsidenten und Außenminister der provisorischen Regierung ernannt.
Die Franzosen sind nicht gewillt, ihre “Besitztümer” in Indochina aufzugeben. Ho Chi Minh zieht sich mit seiner Regierung in den Dschungel von Cao Bang zurück und ruft den Kriegszustand aus.
Trotz einer bestausgerüsteten Armee von 100.000 Berufssoldaten und Fremdenlegionären (meist Deutschen), gelingt es den Franzosen nicht, die bewegliche Guerilla des Viet Minh zu zerschlagen.

Beginn der Stellvertreterkriege
1950 erkennt die Volksrepublik China gefolgt von der Sowjetunion die DRV an und unterstützt den Viet Minh mit Waffen und Munition. Im Gegenzug schlagen sich die USA, die dem Kolonialstreben Frankreichs bisher ablehnend gegenüber standen, auf die Seite Frankreichs. Auf den Druck der USA wird das französische Cochinchina in “Republik Südvietnam” umbenannt. In der Hoffnung, dem charismatischen Führer Ho Chi Minh eine Leitfigur entgegenzustellen, installieren Sie den ehemaligen Marionettenkaiser Frankreichs, Bao Dai, als Regierungschef des Südens. Kurz danach entsendet der CIA seine ersten “Berater”. In den folgenden Jahren decken die USA über 80% der französischen Kriegskosten. Napalm und planmäßige Vernichtung ganzer Ernten, “Errungenschaften” die man allgemeinhin erst den Amerikanern zuschreibt, sind bereits ab 1951 Mittel der französischen Generäle und ihrer amerikanischen Berater.
Die Entscheidung fällt 1954 in Dien Bien Puh, einer Dschungelfestung nahe der laotischen Grenze, die täglich von Transportflugzeugen und Fallschirmjägern versorgt wird. Dien Bien Puh gilt aufgrund seiner Lage als uneinnehmbar. Dem General Vo Nguyen Giap gelingt es, in einem mehrwöchigen Gewaltmarsch, schwere Artillerie auf dem Rücken seiner Soldaten in die Berge um die Festung zu transportieren und diese einzukesseln. Als selbst Flugabwehrgeschütze in Stellung gebracht werden können, erwägt US Präsident Eisenhower den Einsatz von Atombomben, wird in letzter Minute aber vom Kongress gestoppt.
Die bedingungslose Kapitulation von Dien Bien Puh bedeutet zugleich das Ende der französischen Kolonialherrschaft.

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1954-1964
Die Genfer Konferenz teilt Vietnam am 17. Breitengrad in Nord und Süd. Dies stellt keine territoriale Grenze dar, sondern lediglich eine “provisorische, militärische Demarkationslinie”. Ziel sind freie Wahlen innerhalb von zwei Jahren, um über die Zukunft des gesamten Landes zu entscheiden.
“Ich habe niemals mit Leuten, die mit den Verhältnissen einigermaßen vertraut waren, gesprochen oder korrespondiert, die nicht übereinstimmend der Meinung gewesen wären, dass bei Wahlen sehr wahrscheinlich 80% der Bevölkerung für den Kommunisten Ho Chi Minh gestimmt hätte.” (US-Präsident Eisenhower, 1954)
Die USA sabotieren die Genfer Beschlüsse und etablieren südlich des 17. Breitengrades einen eigene Staat Südvietnam. Der starke Mann Washingtons, Diktator Ngo Dinh Diem lässt sich mit 98% der Stimmen zum Präsidenten wählen (obwohl seine amerikanischen Berater ihm 60% empfohlen hatten).
Im Gegensatz zum “demokratischen” Süden, der ohne die finanzielle Unterstützung der USA nicht einen Tag überlebensfähig geblieben wäre (Tatsächlich sind die USA sogar gezwungen amerikanischen (!) Reis in das darbende Land zu liefern), geht der kommunistische Norden zu keinem Zeitpunkt davon ab, die Wiedervereinigung zu fordern.
Als 1963 Diems Schwägerin die Selbstverbrennung Buddhistischer Bonzen als Barbecues bezeichnet, kommt es zum (amerikanisch gesteuerten) Putsch der Generäle. Bereits 1960 organisiert sich der Widerstand gegen Diem in einer Koalition aus Kommunisten, Arbeitern, Studenten, Bauern und selbst ethnischen Minderheiten, die später unter dem Namen Viet Cong bekannt sein werden.

Der Amerikanische Krieg
1964 provoziert der US-Zerstörer Maddox einen Zwischenfall im Golf von Tonkin. Unter dem Codenamen “Rolling Thunder” nehmen die USA ohne Kriegserklärung die Bombardierung Nord Vietnams auf. Im März 1965 landen die ersten Truppen “zur Sicherung gefährdeter Flugplätze” bei Da Nang in Südvietnam. Die ersten von insgesamt mehr als 3 Millionen. Einschließlich der von Washington ausgerüsteten Armee Südvietnams und den Soldaten der SEATO-Verbänden aus Australien, Neuseeland, Thailand, Süd-Korea und den Philippinen stehen zeitweise mehr als 1,5 Mio. Soldaten auf (süd-)vietnamesischem Boden, die über die avancierteste Kriegstechnologie verfügen, die die Welt je gesehen hat.
Da für die amerikanischen Truppen keine klar definierten Fronten existieren und sie sich einem un(an)greifbaren Gegner gegenübersehen, betreiben die amerikanischen Generäle den Krieg, wie die Vernichtung lästiger Insekten. Das Land, “dessen Freiheit unter allen Umständen verteidigt werden muss” wird binnen kurzem zum meistbombardierten, meistvergifteten und meistvergasten Land der Weltgeschichte.
Zur Unterstützung des Widerstands im Süden wird der berühmte Ho Chi Minh Pfad angelegt, der teilweise über Laotisches Gebiet führt. Auf den Schultern endloser Trägerkolonnen wandern Waffen, Munition und Medikamente, zentnerschwere Artilleriegeschosse und Kanonenrohre in den Süden. Die schwersten Teile werden u.a. mit Bambus verstärkten Fahrrädern durch den Dschungel transportiert. Unter ständigem Beschuss amerikanischer B-52-Bomber wird der Pfad zu einer Lkw-Piste mit versenkbaren Brücken und unterirdischen Reparaturwerkstätten ausgebaut.

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Die Tet-Offensive 1968
Am Morgen des 31. Januar 1968, mitten während des vietnamesischen Neujahrsfestes, greifen Truppen des Viet Cong und der DRV beinahe jede Provinz Südvietnams an und stürmen sogar die amerikanische Botschaft in Saigon. Militärisch ein Desaster - die US-Truppen legen auch die letzten Skrupel vor der blinden Ermordung der Zivilbevölkerung ab - wird die Offensive politisch der volle Erfolg. Protestkundgebungen der Kriegsgegner in den USA werden zu Massendemonstrationen und selbst die Presse ergreift Position gegen den Krieg.
Richard Nixon wird 1968 mit der Aussage zum Präsidenten gewählt, den Krieg in Vietnam zu beenden. Tatsächlich sterben in den nächsten 3 Jahren mehr Menschen in Vietnam, als je zuvor und weitet sich der Krieg auf die Nachbarländer Kambodscha und Laos aus. Einzig die amerikanische Truppenpräsenz wird gesenkt, um dem heimischen Publikum den Anblick immer mehr sterbender “Boys” zu ersparen.
Mit der Eröffnung der Pariser Friedensgespräche 1968 hat Hanoi einen ersten politischen Sieg errungen. 1969 stirbt Ho Chi Minh. Der Bruch mit Maos China und der Wegfall dessen Unterstützung wird immer wahrscheinlicher. Ende 1972 Ordnet Nixon erneut eine massive Bombardierung Hanois an ehe am 27. Januar 1973 ein Abkommen über die Beendigung des Krieges unterzeichnet wird.
Als im März 1973 die letzten US-Truppen aus Vietnam abziehen, stehen zum ersten Mal seit über 100 Jahren keine Besatzungstruppen mehr auf vietnamesischem Boden.
Nach einem erdrutschartigen Vormarsch fällt am 26. März 1970 Hue, am 29. März Da Nang und am 30. April Saigon.

Wiedervereinigung
Die Wiedervereinigung erfolgt für die beiden Teile Vietnams 1975/76 eher überraschend. Der marode, sozialistische Staat im Norden schluckt den noch maroderen kapitalistischen Staat im Süden, der schon lange nicht mehr aus eigener Kraft existieren kann. Im April 1976 proklamiert die Nationalversammlung die Sozialistische Republik Vietnam (SRV) mit Hanoi als Hauptstadt. Zwar werden tausende ehemalige Beamte des Saigoner Regimes teilweise bis zu 10 Jahren in politischen Umerziehungslagern festgehalten, das befürchtete Blutbad bleibt aber glücklicherweise aus. Um dem Schwarzmarkt Einhalt zu gebieten, findet 1978 eine Währungsreform und Enteignung der blühenden Privat- und Spekulationswirtschaft im Süden statt. Die Flucht Hunderttausender, teilweise über das Meer (boat people) ist die Folge. Erst der Parteitag 1986 leitet die fälligen Reformen ein und garantiert im Jahre 1991 verfassungsrechtlich den Privatbesitz.

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Der Kambodschanische Krieg
Als 1975 die von Peking geförderten ultranationalistischen Khmer Rouge Pol Pots an die Macht gelangen, verüben sie mit Unterstützung Chinas gezielte Grenzverletzungen gegen Vietnam, die sich teilweise zu Kriegshandlungen und regelrechten Massakern ausweiten. Chau Doc wird immer wieder von den räubernden und plündernden Soldaten der Roten Khmer heimgesucht und die Bevölkerung auf das grausamste massakriert.
Im Januar 1979 erobern die Vietnamesen Phnom Penh und installieren dort eine Marionettenregierung. Paradoxer Weise bemühen sich die vietnamesischen Truppen bis Ende der 80er Jahre den Dschungelpartisanen der Khmer Rouge Herr zu werden, wie seinerzeit die Amerikaner in Vietnam. 1979 überschreiten 100.000 Chinesische Soldaten, nachdem sich Deng Xiao-ping zuvor mit US-Präsident Carter entsprechend abgestimmt hatte, die Grenzen Nordvietnams und zerstört die vietnamesischen Nordprovinzen.
Erst 1990 distanziert sich Präsident George Bush von den Massenmördern um Pol Pot und ist erstmals wieder zu Gesprächen mit Vietnam bereit.

Quelle: Sinngemäß nach “Geschichte” in Reise-Know-How, Vietnam, 7. Auflage 2004, Seite 135ff.


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